Hände weg vom Rheinfall

Der Schaffhauser Kantonsrat hat die rechtlichen Grundlagen für ein zusätzliches Wasserkraftwerk am Rheinfall geschaffen. Ein solches würde das einzigartige Erscheinungsbild des Naturmonuments, geschützte Lebensräume und bedrohte Arten gefährden. 


«Die Menschen wollen den Rheinfall in seiner Einzigartigkeit erhalten und der Kanton muss diesen Willen endlich respektieren. Wo wenn nicht hier muss es auch für die Wasserkraftnutzung eine Grenze geben.»

Martina Munz, Nationalrätin und Präsidentin Aqua Viva

Verliert der Rheinfall sein Gesicht?

Mit der Verabschiedung der Revision des Wasserwirtschaftsgesetzes am 30. Mai 2022 hat der Schaffhauser Kantonsrat die rechtlichen Grundlagen und Rahmenbedingungen für ein Wasserkraftwerk am Rheinfall geschaffen. Er ignoriert dabei die Empfehlungen der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) und übergeht den Willen seiner Bevölkerung, die sich bereits 1969 und erst 2014 mit Volksentscheiden gegen entsprechende Pläne wehrte.

Der Rheinfall wird mit dem Kraftwerk Neuhausen bereits zur Stromproduktion genutzt. Erst 2016 hat der Kanton dem Werk eine höhere Nutzwassermenge zugestanden, welche dem Rheinfall heute fehlt. Eine noch weitergehende Nutzung geht zu weit. Auch die ENHK warnte in ihrer Stellungnahme zum Projekt vor einer schweren Beeinträchtigung des Charakters des Durchflusses, der Dynamik und damit des einzigartigen Erscheinungsbilds des Rheinfalls.

Bis zu einem Drittel der Abflussmenge würde dem Rheinfall im Sommerhalbjahr entzogen. Von Oktober bis März wäre es sogar noch mehr. Lediglich 200 Kubikmeter pro Sekunde würden in diesem Zeitraum im Gewässer verbleiben – dies entspricht Niedrigwassern, die heute sehr selten bei extremer Trockenheit auftreten (siehe Bilder). Der Touristenmagnet mit nationaler Symbolkraft würde zur Restwasserstrecke degradiert.

Rheinfall - Bild von Jörg Vieli auf Pixabay

Rheinfall am 30. März 2022 mit einer Abflussmenge von 211 m3/s - Bildrechte: Aqua Viva

Auch die Natur wäre betroffen

Davon bedroht wäre auch eine Vielzahl von Gischt-Lebensräumen mit ihrer reichen Tier- und Pflanzenwelt. Der Rheinfall gehört seit 1983 zum Inventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung. Charakteristische und zum Teil bedrohte Algen-, Moos- und Fischarten sowie Makroinvertebraten würden durch die fehlenden Wassermengen stark beeinträchtigt.

Es gibt Alternativen

Nicht akzeptabel ist ein Kraftwerk auch deshalb, weil der Rhein im Winter wenig Wasser führt und somit nur wenig Winterstrom produziert werden könnte. Und für den Rest des Jahres gibt es mit der Solarkraft nachhaltigere Alternativen zur Stromproduktion.

Klares «Nein» zur weiteren Wasserkraftnutzung am Rheinfall

Die Revision des Wasserwirtschaftsgesetzes knüpft die Kraftwerkspläne am Rheinfall an ein obligatorisches Referendum – eine zentrale Forderung von Aqua Viva. Die Bevölkerung hat somit das letzte Wort und dürfte ihre Haltung seit der letzten Abstimmung nicht geändert haben. Aqua Viva wird die Bevölkerung auch weiterhin dabei unterstützen, den Rheinfall als Naturschönheit ungeschmälert zu erhalten (Art. 22 WRG von 1916).

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