Skip to main content

Bild: © Jürgen Wackenhut - stock.adobe.com

Kraftwerk Rheinau: sanieren statt abschreiben

Statt die gesetzlich vorgeschriebene Restwassersanierung des Kraftwerks Rheinau elf Jahre nach Ablauf der offiziellen Frist endlich umzusetzen, wollen die Verantwortlichen beim Bundesamt für Energie nun das Sanierungsverfahren abschreiben, also streichen. Aqua Viva, der Fischereiverein Rheinau und der Schweizerische Fischerei-Verband erheben dagegen Einwendung und präsentieren Vorschläge zur Verbesserung der ökologischen Situation und zum Ausgleich der durch die ausstehende Sanierung wachsenden ökologischen Schäden am Rhein.


«Die gesetzliche Restwassersanierung zielt darauf ab, die Lebensbedingungen von Fischen und anderen Wasserbewohnern zu verbessern und kann nicht einfach abgeschrieben werden. Gerade am Kraftwerk Rheinau wird es Zeit, der Natur endlich etwas zurückzugeben.»

Alvaro Baumann y Carmona, Projektleiter Gewässerschutz bei Aqua Viva


In der rund 4,5 Kilometer langen Rheinschlinge rund um Rheinau fliessen seit 1957 meist nur 5 m3/s Restwasser. Dies sind weniger als 1,5 Prozent des natürlichen, mittleren Abflusses des Rheins an diesem Standort. Gemäss einem Gutachten der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege und der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission müsste der Abfluss auf mindestens 150 m3/s erhöht werden, um die gesetzlichen Vorgaben für das BLN-Gebiet zu erfüllen. Laut Gewässerschutzgesetz hätte diese sogenannte «Restwassersanierung» bis spätestens 2012 erfolgen müssen.

Um die durch die ausbleibende Restwassersanierung bereits verursachten Schäden auszugleichen, fordern die genannten Organisationen die Schaffung eines Naturschutzfonds, mit dem Gemeinden und Kantone bei Revitalisierungsprojekten in der Region unterstützt werden. Gespeist werden soll der Fonds durch den zusätzlichen Gewinn, welchen das Kraftwerk Rheinau durch die nicht erfolgte Restwassersanierung seit 2012 erzielte. Auf diese Weise könnte der Hochrhein ein Stück seiner Natürlichkeit zurückgewinnen. Denn neben dem Kraftwerk Rheinau beinträchtigen zehn weitere Wasserkraftwerke die Lebensräume von Nase, Äsche und Co zwischen Schaffhausen und Basel. Der geringe Abstand zwischen den Kraftwerken von häufig weniger als zehn Kilometern führt dazu, dass die Stauwurzeln oftmals bis and die nächste oberhalb liegende Staustufe reichen. Der einst stolze Fluss Rhein hat so weitgehend seinen Fliesscharakter verloren und ähnelt mehr einer Kaskade von Stauseen.

Der Zustand in der Rheinschlaufe bei Rheinau ist seit langem desolat. Das geringe Restwasser und die insgesamt drei Stauwehre führen zum Verlust der charakteristischen Gewässerdynamik, ungewöhnlich hohen Wassertemperaturen sowie einer Beeinträchtigung von Fischen und des Makrozoobenthos – also der kleinsten Lebewesen im Gewässer, die am Beginn der Nahrungskette stehen. Vom Aussterben bedrohte, charakteristische Fischarten des Flussabschnitts sind dadurch bereits fast vollständig verschwunden beispielsweise die Nase, Äsche und Flussforelle.

Aqua Viva, der Fischereiverein Rheinau und der Schweizerische Fischerei-Verband sind unter der Voraussetzung einer zeitnahen Restwassersanierung des Kraftwerks Rheinau bereit, die geäusserten Ideen mit den Verantwortlichen von Bund, Kantonen und des Kraftwerks zu diskutieren und gemeinsam nach Wegen zur Verbesserung der Situation rund um das Kraftwerk Rheinau zu suchen.

MEHR GEWÄSSERNEWS

Trift Suite «Die Ermutigung der Wasseramsel»

Am 22. Februar erzählt Köbi Gantenbein im Kluturpark Zürich mit Texten zum Schmunseln und Nachdenken sowie musikalisch untermalt von der Kapelle Alpenglühn’, warum ein Wasserkraftwerk im Trift-Gebiet keine gute Idee und «was gescheiter zu tun ist».

Zürcher Geld für die Naturzerstörung in den Alpen?

Die Stadt Zürich will sich am Bau eines Wasserkraftwerks im Trift-Gebiet finanziell beteiligen. Das Gebiet ist ein unberührtes Naturjuwel, Lebensraum bedrohter Arten und würde durch den Kraftwerksbau vollständig zerstört.

Uferinitiative für Zugänglichkeit und Schutz der Seeufer

Aqua Viva unterstützt die Uferinitiative im Kanton Zürich, über die am 3. März abgestimmt wird. Sie setzt sich für den Schutz, die ökologische Aufwertung und die öffentliche Zugänglichkeit der See- und Flussufer ein. Bei Annahme der Initiative könnten zahlreiche Arten und Lebensräume profitieren.

Gewässerunterhalt und Artenvielfalt

Im Gewässerunterhalt werden jedes Jahr viele Eingriffe im Wasser oder auch im Gewässerraum ausgeführt. Hochwasserschutz und Artenvielfalt stehen dabei nicht in Konkurrenz zueinander, denn jeder Eingriff ist auch eine Chance zur Verbesserung der Lebensräumen von Tieren und Pflanzen.