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Toxisches Erbe: Ewigkeits-Chemikalien im Wasser

Medienmitteilung - 8. September 2025 - Winterthur

In der laufenden Sondersession des Parlaments stehen PFAS, sogenannte «Ewigkeits-Chemikalien», im Zentrum. Aqua Viva begrüsst, dass sich die Politik diesem drängenden Problem annimmt, warnt jedoch dringend davor, die Gefahren für Mensch und Natur zu unterschätzen.

«PFAS sind längst keine abstrakte Gefahr mehr, sondern eine reale Belastung unserer Wasserressourcen und unserer Gesundheit. Wir müssen rasch handeln, um das toxische Erbe für zukünftige Generationen in Grenzen zu halten», sagt Salome Steiner, Geschäftsleiterin von Aqua Viva. Die Gewässerschutzorganisation erachtet Massnahmen, um den PFAS-Eintrag in die Gewässer zu reduzieren sowie einheitliche und transparente Grenzwerte als zwingend.

Messungen zeigen, dass die Schweizer Gewässer und Fische bereits heute mit PFAS belastet sind. Im Rahmen der Nationalen Grundwasserbeobachtung (NAQUA) wurden an fast der Hälfte aller Messstellen Rückstände gefunden. In Fliessgewässern konnten im Rahmen einer Pilotstudie sogar an allen Messstellen PFAS nachgewiesen werden. Verschiedene Untersuchungen zeigen zudem, dass sich PFAS auch in Fischen anreichern. In den beiden Basler Kantonen wurde Freizeitangler:innen auf Grund der vorgefundenen PFAS-Konzentrationen in Fischen sogar empfohlen, maximal einmal pro Monat selbst gefangenen Fisch zu essen.

PFAS sind langlebig und werden nur sehr langsam abgebaut – daher werden sie auch als «Ewigkeitschemikalien» bezeichnet. Über das Trinkwasser und Lebensmittel wie Fisch gelangen sie in die Nahrungskette und können unsere Gesundheit beeinflussen. Laut dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) können sie sich negativ auf die Wirksamkeit von Impfungen, die Leber, Cholesterinwerte und das Geburtsgewicht auswirken. Gewisse Stoffe werden zudem mit einem erhöhten Risiko für Nieren- oder Hodenkrebs in Verbindung gebracht.

Um das Gesundheitsrisiko heute und für zukünftige Generationen zu minimieren, müssen wir den PFAS-Eintrag in unsere Gewässer und damit auch die Nahrungskette drastisch reduzieren. Eine allgemeine Kennzeichnungspflicht für PFAS-haltige Produkte im Handel würde Konsument:innen die Chance bieten, auf entsprechende Produkte zu verzichten. Für viele Produkte existieren bereits PFAS-freie Alternativen beispielsweise für die Beschichtung von Outdoorjacken oder Verpackungsmaterial. Ein Verzicht oder sogar ein Verbot wären hier problemlos möglich.

Neben der Reduktion des PFAS-Eintrags braucht es zudem transparente Grenzwerte für alle PFAS: im Grundwasser, in Fliessgewässern und auch für Lebensmittel wie Fisch. Denn obwohl die Langzeitwirkung der Stoffe für uns Menschen oftmals nicht bekannt ist, werden Grenzwerte nur für jene PFAS vorgegeben, die bereits heute als potenziell gesundheitsgefährdend gelten. Das Fungizid Chlorothalonil hat jedoch gezeigt, dass sich die Einschätzung der gesundheitlichen Risiken verändern kann. Sind derart langlebige Stoffe jedoch im Wasser, bleiben sie dort für viele Jahrzehnte.

Problematisch ist aus Sicht von Aqua Viva auch das Zustandekommen der Grenzwerte. So spielen beispielsweise bei Fischen neben ökotoxikologischen Kriterien vor allem auch wirtschaftliche Interessen eine bedeutende Rolle. Für Egli und Felchen gelten beispielsweise höhere Grenzwerte als für Hechte. Aus biologischer Sicht ist dies nicht nachzuvollziehen. Egli und Felchen sind jedoch jene Fischarten, mit denen in der Schweiz die mit Abstand höchsten Fangerträge erzielt werden.

Aqua Viva erachtet deshalb die Einführung einheitlicher, transparenter Grenzwerte sowie wirksame Massnahmen zur Reduzierung des PFAS-Eintrags in unsere Gewässer als dringend notwendig.

Verwendete Quellen

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