Bild: © Peter Rey, Netzwerk HYDRA

10-Punkte-Plan: Für eine lebendige Thur

Im Jahr 2001 haben die Thurkantone auf dem Säntis in der sogenannten «Säntis-Charta» gemeinsame Ziele für die Thur verabschiedet. Bald zwei Jahrzehnte später darbt die Thur aber noch immer weitgehend im engen Korsett. Das geht uns zu lange. Gemeinsam mit anderen Umweltschutz- und Fischereiverbänden hat Aqua Viva deshalb einen 10-Punkte-Plan entwickelt. Wir kämpfen für mehr Auenlebensräume an der Thur und die Rückkehr des Lachses. Bleibt zu wünschen, dass die Behörden den Schwung aufnehmen und sich durchsetzen können.

Hochwasser: Chance statt nur Gefahr

1. Die Hochwassersicherheit für die Menschen entlang der Thur wird dank einer Verbreiterung des Flusses und raumplanerischer Massnahmen verbessert, nur im Ausnahmefall mit neuen oder höheren Dämmen.

Die Thur braucht Platz zum Leben

2. Das Kiesbett der Thur nimmt im Mittel 150 Meter Breite ein, der ganze Gewässerraum im Mittel rund 300 Meter.

3. Die Thur soll ihren Lauf und ihre Strukturen im Rahmen der neu gesetzten Leitplanken frei ändern können, damit die Fluss- und Auendynamik die dringend nötigen ökologischen Strukturen wieder schaffen und erhalten kann.

4. Infrastrukturen werden wenn nötig zu Gunsten der Revitalisierung verlegt. Nutzungen im Gewässerraum – extensive Landwirtschaft, Trinkwasserversorgung, Wasserkraft, Fischerei, Naherholung – berücksichtigen das Revitalisierungspotential der Thur.

Die Thur muss vernetzt sein

5. Barrieren in der Thur und insbesondere auch an den Mündungsbereichen der Seitengewässer sind zu entfernen oder durchgängig zu gestalten. Dazu zählen auch Eindolungen. Neue Wasserkraftwerke oder Ausbauten mit weiteren negativen Auswirkungen auf die Thur werden nicht mehr bewilligt.

6. Die Distanz zwischen ökologisch besonders wertvollen Flussabschnitten, wie Auen oder grösseren Aufweitungen, darf nicht mehr als 2 km betragen.

Damit der Kies wieder rollt

7. Der Geschiebehaushalt der Thur soll möglichst naturnah sein. Die nicht erwünschten Eintiefungen der Sohle werden mit Aufweitungen gestoppt.

Wasser zum Trinken und Baden

8. Die Thur hat Badewasserqualität, und die Speisung der qualitativ hochwertigen Grundwasserreserven ist gesichert.

Eine Thur für alle

9. Der Schutz von ökologisch wertvollen Abschnitten vor übermässigem Besucherdruck hat primär durch lenkende Massnahmen und nicht durch Verbote zu erfolgen.

Erfolg ist messbar

10. Eine überkantonale Koordination der Erfolgskontrollen und des Unterhalts soll zum Erreichen der ökologischen Ziele beitragen.

IG Lebendige Thur

Aqua Viva ist Teil der IG Lebendige Thur, die  sich für den Erhalt und die Wiederherstellung flusstypischer Prozesse und Strukturen in und entlang der Thur einsetzt.

Christian Hossli

Christian Hossli

Projektleiter Gewässerschutz

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