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Wie Pestizide und Nährstoffe unsere Gewässer belasten

Mitte des 20. Jahrhunderts waren die Gewässer vor allem durch Siedlungs- und Industrieabwasser verschmutzt. Dank den Kläranlagen gehören diese Probleme der Vergangenheit an. Doch heutzutage verschmutzen Pestizide und Nährstoffüberschüsse aus der Landwirtschaft die Gewässer in weiten Teilen der Schweiz. Wenn wir uns auch in Zukunft über lebendige und saubere Gewässer in der Schweiz freuen möchten, müssen wir jetzt handeln! 

Aqua Viva engagiert sich seit 1960 für den Schutz und die Renaturierung der heimischen Gewässerlebensräume und damit auch für sauberes Wasser in der Schweiz. 

Bitte unterstützen Sie unseren Einsatz für sauberes Wasser, intakte Gewässerlebensräume und die Artenvielfalt in und entlang unserer Bäche, Flüsse und Seen mit einer Spende.

PESTIZID- & NÄHRSTOFFBELASTUNG

In Zahlen

Aufgrund der Belastungen durch zu viel Nährstoffe werden Seen künstlich belüftet. Pestizide im Wasser setzen unseren Fischbeständen zu. Und im September 2020 warnte das BAFU, dass gutes Trinkwasser nicht mehr selbstverständlich sei. 

Hintergründe

Zu viel Gift in unseren Gewässern

Ursachen & Folgen

Die gesetzlichen Grenzwerte für die Pestizid- und Nährstoffbelastung werden regelmässig und oft über Monate hinweg nicht eingehalten. Doch woher kommen diese Stoffe und wie beeinträchtigen sie Mensch und Natur?

Durchbruch in Sichtweite

Stand Recht & Politik

Eva Wyss, Landwirtschaftsexpertin beim WWF Schweiz, nennt Gründe für die anhaltende Blockade-Politik beim Thema Pestizid- und Nährstoffeinsatz und erklärt, warum wir mit den beiden Initiativen die Chance haben, diese zu durchbrechen.

«Wie das Fischen im Trüben»

Grund- & Trinkwasser

Kurt Seiler ist Kantonschemiker der beiden Appenzeller Kantone sowie des Kantons Schaffhausen. Im Gespräch mit Aqua Viva erklärt er, warum wir weder wissen, woher unser Trinkwasser stammt noch welche Schadstoffe sich darin befinden. 

Warum wir uns für weniger Nährstoffe und Pestizide engagieren


Die wichtigsten Argumente zusammengefasst: 

Bedrohte Artenvielfalt

Pestizide dienen als Nervengift gegen Schadinsekten, als Barriere für die Fotosynthese in Unkräutern oder zur Hemmung der Zellatmung bei Pilzen. Es ist daher nicht überraschend, dass sie ähnliche Effekte auch bei «Nichtzielorganismen» verursachen. Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen dies: Anspruchsvolle Arten fehlen in mit Pestiziden belasteten Gewässern. Auch auf übergeordneter Ebene ist der Zusammenhang eindeutig: Je mehr Ackerbau im Einzugsgebiet eines Gewässers, desto geringer ist der Anteil empfindlicher Arten.

Unsere Gesundheit ist in Gefahr

Pestizide und Nährstoffe bleiben nicht dort, wo sie ausgebracht wurden. Sie verbreiten sich via Luft, Boden, Wasser und Nahrungsmittel, werden von uns Menschen aufgenommen und sind in unserem Urin und in der Muttermilch nachweisbar. Von vielen Pestiziden ist bekannt, dass sie Krankheiten auslösen oder verstärken können – beispielsweise Krebs oder neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer-Demenz. In Frankreich ist Parkinson seit 2012 sogar als Berufskrankheit für Beschäftigte mit Kontakt zu Pestiziden anerkannt.

Unser Trinkwasser muss sauber sein

In der Schweiz stammt rund 80 Prozent des Trinkwassers aus Grundwasser. Dieses ist jedoch zunehmend durch Verunreinigungen mehrheitlich aus der Landwirtschaft beeinträchtigt. Bereits 2019 warnte daher das BAFU, dass es nicht mehr selbstverständlich sei, ausreichend qualitativ einwandfreies Trinkwasser aus dem Grundwasser zu gewinnen. In Gebieten mit Ackerbau wird der gesetzliche Nitrat-Grenzwert an 40 Prozent der Messstellen überschritten. An mehr als der Hälfte aller Messstellen treten zudem Rückstände von Pflanzenschutzmitteln auf. Echte Vorsorge sieht anders aus. Spätere „Reparaturen“ sind extrem teuer oder nicht mehr möglich.

Unkalkulierbares Risiko

Bei der Zulassung von Pestiziden sind deren langfristige Folgen für Natur und Mensch häufig schwer abzuschätzen. Denn Schäden können nicht nur durch den Wirkstoff selbst, sondern auch durch dessen Abbauprodukte oder die Kombination verschiedener Wirkstoffe entstehen. Ist ein Wirkstoff jedoch zugelassen, werden wir diesen so schnell nicht los. Langlebige und möglicherweise gesundheitsgefährdende Stoffe wie aktuell Chlorothalonil oder früher schon Atrazin sind noch Jahre oder sogar Jahrzehnte nach einem Verbot im Grundwasser nachweisbar.

Eine nachhaltige Landwirtschaft ist möglich

Was die rund 7500 Biobauern und zahlreiche weitere Betriebe können, können andere auch: Sie produzieren bereits heute nachhaltig und verzichten auf Pestizide und Kunstdünger. Die Abkehr davon ist ein Paradigmenwechsel, aber nicht extrem. 

Zu wenig Platz für so viele Tiere

Die heutige Nahrungsmittelproduktion in der Schweiz ist ökologisch nicht mehr tragfähig: Zu viele Tiere, zu wenig Platz und zu wenig eigenes Futter. Dadurch leidet nicht nur das Tierwohl, wir haben uns auch vom Import ausländischer Futtermittel abhängig gemacht. 50 Prozent unseres Fleisches und 70 Prozent der Eierproduktion basieren auf importiertem Kraftfutter. Dieses landet bei uns als Nährstoffüberschuss auf Wiesen und Feldern. Gewässer werden verschmutzt, die Biodiversität
leidet.

Wir brauchen eine klare Rechtsgrundlage

In der Schweiz gibt es zahlreiche Regelungen zum Pestizid- und Nährstoffeinsatz sowie Grenzwerte für deren Konzentration in unseren Gewässern. Die gesetzlichen Vorgaben werden jedoch häufig übertreten oder nicht umgesetzt: Zu kompliziert, nicht weitreichend genug und fehlender Umsetzungswille an den entscheidenden Stellen. Ein generelles Verbot schädlicher Substanzen würde die Gesetzeslage und deren Umsetzung vereinfachen sowie Klarheit schaffen, für unsere Landwirtinnen und Landwirte.

Wer, wenn nicht wir? Wann, wenn nicht jetzt?

Kein Land lässt sich die Landwirtschaft so viel kosten wie die Schweiz. Zwar bietet uns die Agrarlobby dafür Bilder einer angeblich nachhaltigen Landwirtschaft. Die Nachhaltigkeitsziele des Bundes aber werden verfehlt. Nicht zuletzt, weil Agrarkonzerne an Pestiziden, Kunstdüngern und Futtermittelimporten kräftig mitverdienen. Wir müssen endlich für eine zukunftsfähige Landwirtschaft sorgen. Angesichts des dramatischen Artensterbens (nicht nur) in und entlang unserer Gewässer wird es höchste Zeit.

Zum Weiterlesen

Fokus Wasserqualität

Zeitschrift aqua viva - Sonderausgabe

Aufgrund der Abstimmungen vom 13. Juni stellen wir unser gesamtes Sonderheft "Fokus Wasserqualität" kostenlos zur Verfügung. Auf 40 Seiten bieten Expert*Innen Einsichten zur Belastung der Schweizer Gewässer mit Pestiziden und Nährstoffen. Teilen Sie unsere Zeitschrift mit Ihrem Netzwerk und informieren Sie möglichst viele Menschen vor den Abstimmungen.

scnat-Factsheets

Spannende Infos zu den Auswirkungen der Pestizid- und Nährstoffbelastung auf die Biodiversität und unsere Gewässer finden sich auch auf den aktuellen Factsheets der Akademie der Naturwissenschaften (scnat):

→ Pestizide: Auswirkungen auf  Umwelt, Biodiversität und Ökosystemleistungen

→ Übermässige Stickstoff- und Phosphoreinträge schädigen  Biodiversität, Wald und Gewässer

News zur Trinkwasser- und Pestizidinitiative

Der Druck auf unsere Gewässer steigt

Gewässer sind die Lebensadern unserer Landschaft und prägen das Heimatgefühl vieler Menschen. Klimawandel, Pestizide, Nährstoffüberschüsse, Energienutzung und Verbauungen setzen unsere Gewässer jedoch stark unter Druck.

Pestizidinitiativen abgelehnt

Die Trinkwasserinitiative und die Initiative “Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide” wurden abgelehnt. Damit gibt es weiterhin keine Lösung für die massiven Umweltprobleme durch den Pestizid- und Nährstoffeinsatz in der Schweiz.

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