Lachsbesatz in Zürcher Gewässer Bild: © Jonas Steiner
Artikel aus aqua viva 1/2026
Die Forelle macht’s selbst
Eine breit angelegte Untersuchung in kleinen Zürcher Fliessgewässern zeigt Erfreuliches: Schmale Bäche beherbergen erstaunlich viele junge Forellen und das ganz ohne Besatz. Die Ergebnisse verdeutlichen eindrücklich, wie wichtig intakte, naturnahe Gewässer für den Erhalt stabiler Forellenbestände sind. Gleichzeitig stellen sie die bisherige Bewirtschaftungspraxis in Frage und regen zu einem grundlegenden Umdenken an.
Von Nicolai Meier
Über Jahrzehnte hinweg wurde der Fischbestand in der Schweiz mit aufwendigen Besatzmassnahmen gestützt. In der Überzeugung, damit den natürlichen Bestand zu fördern und den Fangertrag zu erhöhen, setzten Fischereivereine und Behörden hunderttausende Jungfische – vor allem Bachforellen – in Bäche und Flüsse aus. Auch im Kanton Zürich war diese Praxis lange Zeit üblich. Kontrolliert wurde der tatsächliche Erfolg dieser Massnahmen jedoch kaum. Heute weiss man: Der Besatz bringt oft nicht den gewünschten Nutzen. Wildfische sind optimal an die lokalen Lebensbedingungen angepasst. In Zeiten sich rasant wandelnder Umweltbedingungen ist diese Anpassungsfähigkeit ein entscheidender Vorteil. Dagegen verlieren Besatzfische, die unter kontrollierten Bedingungen aufgezogen wurden, häufig den Anschluss. Sie zeigen geringere Überlebenschancen. Entsprechend sinkt ihr Anteil im Adultstadium rasch und unter den fangfähigen Forellen lassen sich meist kaum noch Individuen aus dem Besatz nachweisen. Die Konsequenz: Statt weiterhin Besatzfische einzusetzen, empfehlen Fachleute heute, auf die Naturverlaichung zu setzen und die vorhandenen Mittel in die Aufwertung und Vernetzung der Lebensräume zu investieren.
Klare Botschaft
Ob die Naturverlaichung auch in den Zürcher Gewässern funktioniert, überprüft die Fischerei- und Jagdverwaltung seit 2016 (Nägeli et al. 2021). Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit der natürlichen Fortpflanzung zu beurteilen und festzustellen, ob sich die Jungfischdichten (Sömmerlinge pro Hektar, Sö/ha) in Jahren mit und ohne Besatz unterscheiden. Mittlerweile wurden 55 Standorte im ganzen Kanton Zürich untersucht, mit ausgesprochen erfreulichen Ergebnissen. Ein Grossteil der Bäche übertraf den Richtwert von 1500 Sö/ha, ab dem die Jungfischdichte als «gut» gilt. Viele Gewässer erreichten sogar deutlich höhere Werte, und das ganz ohne Besatz. Nur dort, wo die Lebensräume stark beeinträchtigt waren, lagen die Jungfischzahlen unter dem Richtwert. Der Zusammenhang ist offensichtlich: Je besser die Qualität des Lebensraums, desto zahlreicher und vitaler der Fischbestand.
Kleine Bäche, grosse Bedeutung
Die Untersuchungen zeigten zudem, dass die höchsten Jungfischdichten in kleinen, schmalen Bächen mit einer intakten Kiessohle und einer Breite von weniger als zwei Metern vorkommen. Diese Gewässer sind häufig noch weitgehend naturbelassen, weisen abwechslungsreiche Strukturen wie Totholz, Kiesbänke oder Kolke auf und sind durch die meist hohe Beschattung der Ufervegetation angenehm kühl. Selbst in heissen Sommern erreichen sie selten kritische Wassertemperaturen, zudem kann durch die starke Bestockung auch ein Kühlungseffekt auf die Gewässer eintreten. Auch sind diese Bäche weniger stark von Abwasser, landwirtschaftlichen Einträgen oder Chemikalien belastet.
Kein Nutzen durch Besatz
Der Vergleich der Bestände in Jahren mit und ohne Besatz zeigte ein klares Bild: Der Besatz führte zu keiner Erhöhung der Jungfischdichten. Auch in beeinträchtigten Abschnitten, wo man sich von zusätzlichem Nachwuchs aus dem Besatz eine Stabilisierung erhofft hatte, blieb der Effekt aus. Der Lebensraum und andere Umweltbedingungen bestimmen, wie viele Forellen ein Gewässer tragen kann,
nicht die Zahl der eingesetzten Jungfische. Aufgrund der Resultate wird ab 2026 das Besatzmanagement des Kantons Zürich angepasst: In kleinen Bächen wird komplett auf Besatz verzichtet. Zukünftig soll dieser in erster Linie zur Förderung bedrohter Fischarten oder für die Wiederansiedlung von ausgestorbenen Arten erfolgen. Besatz, der in erster Linie auf die Bestandeserhaltung sowie die Gewährung der fischereilichen Nutzung abzielt, wird zurückhaltend ausgeführt (Nägeli et al. 2025).
Fazit: Die Natur macht’s besser
Die natürliche Fortpflanzung der Bachforelle funktioniert in den kleinen Zürcher Bächen gut. Besatzmassnahmen sind in der Regel nicht nötig und führen auch in beeinträchtigten Gewässern zu keiner Verbesserung. Entscheidend für den Bestand ist vor allem die ökologische Qualität des Lebensraums. Daher sollen die vorhandenen finanziellen Mittel gezielt in die Aufwertung und die Revitalisierung von Gewässern und der Vernetzung der Lebensräume fliessen. Verbaute Abschnitte können durch Strukturelemente wie Totholz, Faschinen oder Uferbepflanzungen ökologisch aufgewertet werden. Im Kanton Zürich unterstützt das Förderprogramm «Vielfältige Zürcher Gewässer » solche Aufwertungen finanziell.
- Nägeli, N / Quinter, C / Bammatter, L (2021): Monitoring der Forellennaturverlaichung in den Fliessgewässern des Knonauer Amts. Fischerei- und Jagdverwaltung Kanton Zürich. Seite 1 - 35
- Nägeli, N / Meier, N / Bammatter, L (2025): Fischereimanagement F26+. Fischerei- und Jagdverwaltung Kanton Zürich. Seite 1 – 54
Autor:innen
Nicolai Meier
hat an der ZHAW Umweltingenieurwesen mit Schwerpunkt Naturmanagement studiert. Seit 2023 arbeitet er bei der Fischerei- und Jagdverwaltung und ist unter anderem für alle Monitorings zuständig.
Kontakt
Tel.: +41 43 257 40 03
Email: nicolai.meier@bd.zh.ch
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